Orchesterverein Stuttgart e.v.
© Martin Stollberg
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Presseinformation - 01.10.2011

»Das ist halt so passiert«
Nach 35 Jahren verlässt der dirigierende Pädagoge Fritz Roth den Orchesterverein Stuttgart – mit einem Konzert in der Liederhalle

VON SUSANNE BENDA

Den Orchesterverein Stuttgart hat er mit Begeisterung und pädagogischem Talent in eine höhere Liga des Liebhabermusizierens gebracht, an diesem Samstag feiert Fritz Roth seinen Abschied mit einem Festkonzert

Scheiden tut weh? Natürlich, sagt Fritz Roth, dann zögert er so kurz, dass man die Träne im Knopfloch gerade eben ahnen kann. Bis gleich darauf der Pragmatiker ergänzt: Er habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass er 2011 aufhören werde, und nun sei es eben soweit. Fertig, aus, vorbei.

Zwei Jahre, was ist das schon? 35 Jahre lang hat der heute 73-jährige ehemalige Musiklehrer am Stuttgarter Friedrich- Eugens-Gymnasium den Orchester- Verein geleitet. "Ich habe mich durch gute Schulaufführungen empfohlen", sagt Fritz Roth im Rückblick. Heute ist das traditionsreiche Laien-, nein, treffender: Liebhaberorchester, das vor vier Jahren sein 150-jähriges Bestehen feierte, was Roth aus ihm gemacht hat. Aus "einem armseligen Haufen von 20 bis 30 Musikern", die er 1976 vorfand, hat er eine Hundertschaft geformt, die bei ihm blieb und mit ihm wachsen wollte.

Freunde hat Fritz Roth aktiviert, ein Netzwerk hat er geworben, doch "das Problem des Anfangs", sagt er heute, "war weniger musikalischer als psychologisch-sozialer Natur. Ich musste Musiker von den Stimmführerpulten nach hinten setzen, denn Stimmführer sind für ein Orchester entscheidend". Etliche von diesen sind heute Profimusiker, sie stützen und tragen den Klangkörper, der ansonsten weiterhin aus Amateuren besteht.

Leistungsdruck macht sich hier jeder nur selbst, man muss nicht vorspielen und keiner muss seinen Rausschmiss befürchten. "Das siebt sich von selbst", sagt Roth. "Wem das Repertoire die eigenen Grenzen aufzeigt, der müht und bessert sich – oder er geht. Dabei macht sich die Frage des Repertoires vor allem an der Qualität der Streicher fest. Sie, sagt Roth, sind der Chor des Orchesters, hier ist das Feld zwischen den Besten und den Schlechtesten am weitesten".
An seinem Limit habe der Orchesterverein etwa bei Berlioz's "Symphonie phantastique" oder bei Tschaikowskys vierter Sinfonie gespielt, auch Beethovens sechste und siebte Sinfonie seien "sehr anspruchsvoll vor allem in Intonation und Rhythmik". Schwierig sei eigentlich die ganze Wiener Klassik, vor allem Haydn sei tabu: "Diese Stücke klingen einfach nicht wenn sie nicht blitzsauber gespielt werden". Folgerichtig findet der Orchesterverein sein Kernrepertoire in der großen ro- mantischen Literatur. "Da gibt es "sagt Roth, "oft viel Bläserwucht, und da haben wir ja große Qualitäten".
Fritz Roth entflammte seine Musiker, nahm die Musikliebhaber beim Wort, und dank der zahlreichen Verbindungen des Dirigenten zu Solisten krönte der Orchesterverein seine Konzerte immer wieder mit Künstlern, die sich sonst nicht mit musizierenden Laien verbinden. Daniel Müller-Schott war darunter, Tanja Becker-Bender, das Klavierduo Stenzl. Ihnen allen muss Fritz Roth eine andere motivierende Art von Anerkennung, Heimat und Befeuerung geboten haben – sonst hätten sie wohl kaum viel mehr Zeit als üblich in Proben mit dem Orchester investiert und sonst hätten sie sich wohl auch nicht mit der geringen Gage abgefunden, die ihnen der Orchesterverein bieten kann. Lakonischer Kommentar: "Das ist halt so passiert".

Beim Abschiedskonzert an diesem Samstag steht der Dirigent zum 98. Mal am Pult des Orchestervereins. Ein 99. Mal wird folgen – "aber am 05. März leite ich die Ballettgala nur noch als Gast. Dann ist Schluss. Ich werde 73, und die Arbeit mit einem Laienorchester ist härteste Knochenarbeit", sagt Fritz Roth. Prominente Dirigenten könnten nur deshalb länger aktiv sein, weil ihnen vor Konzerten ein fertig einstudiertes Orchester übergeben werde. Neid? "Ich hätte gerne ab und zu vor Profis gestanden", gesteht der Dirigent, "dann hätte ich es genossen, nicht mehr erst die Partitur durchbuchstabieren zu müssen, sondern gleich musikalisch arbeiten zu können".

Offenbar scheint dem Mann das Buchstabieren aber zu liegen. Auch beim Nürtinger Kammer- orchester und beim Schülersinfonieorchester blieb er lange. Seine Netzwerke gründeten auch auf diesen Ensembles. Bestes Beispiel ist Daniel Müller-Schott, der schon mit 15 Jahren als Solist beim Schülersinfonieorchester auf- trat. Heute wohnt der Cellist bei jedem Stuttgarter Auftritt im Sillenbucher Haus der Roths und entführt den Mentor von ehedem gern in die Gourmettempel der Region.

Das wird sich halten und natürlich will der Dirigent ab und zu Konzerte "seines" Orchestervereins besuchen. Aber dann, sagt er, "sitze ich lieber ganz unauffällig ganz hinten".

Festkonzert an diesem Samstag
um 20.00 Uhr im Beethovensaal.

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